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Verantwortungsvolles Spielen: Strategien zur Vermeidung von Spielsucht

Glücksspiel ist eine beliebte Freizeitbeschäftigung. Doch wie in vielen Lebensbereichen ist auch hier Vorsicht geboten: Die richtige Dosierung ist entscheidend. Aus harmlosem Zeitvertreib kann schnell eine Sucht entstehen, die nicht nur die Betroffenen, sondern auch ihre Angehörigen in finanzielle und soziale Schwierigkeiten stürzen kann. Genau deshalb ist es ratsam, bewährte Strategien anzuwenden, um ein gesundes Spielverhalten zu fördern und das Abgleiten in die Sucht zu verhindern. In diesem Beitrag finden Sie nützliche Tipps dazu.

Experten warnen vor gefährlicher Verharmlosung

Laut einem Bericht der Tagesschau vom November 2023 haben in Deutschland rund 1,3 Millionen Menschen eine sogenannte Glücksspielstörung. Das bedeutet in der Praxis, sie entwickeln durch die Teilnahme an Slots in Online-Casinos, Sportwetten und auch anderen Glücksspielen wie etwa Zahlenlotto gesundheitliche, finanzielle und soziale Probleme. 

Weitere 3,3 Millionen Menschen zeigen zumindest ein riskantes Verhalten beim Glücksspiel. Vor allem Männer, junge Menschen, Personen mit Migrationshintergrund sowie Mitglieder in und Fans von Sportvereinen gelten als besonders gefährdet für eine psychische Erkrankung

Diese Daten basieren auf einer Umfrage aus dem Jahr 2021 im Glücksspielatlas. Dieser wird gemeinsam vom Institut für interdisziplinäre Sucht- und Drogenforschung in Hamburg, der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen in Hamm und dem Bereich Glücksspielforschung an der Universität Bremen erstellt und herausgegeben. 

Die gute Nachricht: Selbstverständlich sind nicht alle Menschen süchtig, die ab und zu einmal ein Online-Casino besuchen oder eine Sportwette abschließen. Zudem ist der Anteil der Bevölkerung in Deutschland, der an Glücksspielen teilnimmt, stark rückläufig. Während im Jahr 2007 noch etwa 55 Prozent der Menschen hierzulande zu dieser Gruppe gehörte, waren es 2021 nur noch rund 30 Prozent. 

Für all jene, die gerne zocken, ist es wichtig, das eigene Verhalten genau im Auge zu behalten und entsprechende Maßnahmen zu ergreifen, um suchtförderndes Verhalten zu unterbinden. Dazu gehört vor allem eine entsprechende Selbstbegrenzung und Bankroll-Management. 

Die wichtigsten Maßnahmen für verantwortungsvolles Spielen: Selbstbegrenzung und Bankroll-Management

Bankroll-Management ist ein bedeutender Aspekt im Bereich der Sportwetten und des Glücksspiels, der auf einem verantwortungsvollen Umgang mit dem eigenen Budget basiert. Aber was genau verbirgt sich hinter diesem Konzept und wie lässt es sich praktisch umsetzen?

Im Wesentlichen geht es beim Bankroll-Management darum, das Spielbudget mit Überlegung zu verwalten. Ähnlich wie Unternehmen ihre Finanzen sorgfältig planen, sollten auch Glücksspieler ihr Geld mit Bedacht einsetzen. 

Die Grundidee ist simpel: Zum einen wird ein maximaler Betrag festgelegt, der innerhalb eines bestimmten Zeitraums eingesetzt werden soll, zum anderen wird nur ein geringer Prozentsatz dieses Betrags auf eine einzelne Wette gesetzt oder bei einem Automaten im Online-Casino gespielt. Das minimiert das Risiko von Verlusten bei Pechsträhnen und fördert gleichzeitig einen verantwortungsbewussten Umgang mit dem eigenen Budget.

Experten empfehlen oft Werte zwischen einem und maximal fünf Prozent. Angenommen, das Glücksspielbudget beträgt monatlich 200 Euro. Bei einem festgelegten Einsatz von zwei Prozent pro Wette würden Sie demnach vier Euro setzen. Diese konsistente Herangehensweise sorgt dafür, dass selbst bei Verlusten die finanziellen Einbußen begrenzt bleiben, während bei Gewinnen das Kapital behutsam gesteigert werden kann.

Weitere Informationen über Selbstbegrenzung und Bankroll-Management gibt es in dem Beitrag „Verantwortungsvolles Spielen: Tipps für bewusstes Spielen“.

Selbstsperre und Limits: Ein Schlüssel zur Kontrolle beim Glücksspiel 

Der Einsatz von Selbstsperren und Limits hat sich ebenfalls als wirksame Maßnahme erwiesen, um das eigene Spielverhalten zu kontrollieren und impulsives Handeln zu verhindern. Diese Instrumente bieten einen wichtigen Schutz vor den Risiken der Spielsucht.

Die Selbstsperre ermöglicht es Spielern, sich freiwillig von Glücksspielaktivitäten auszuschließen. Dieser Schritt kann eine effektive Möglichkeit sein, um Abstand zu gewinnen, insbesondere in Phasen, in denen das Verlangen nach Glücksspiel besonders stark ist. 

Einsatzlimits wiederum setzen klare finanzielle Grenzen für das Glücksspiel. Indem Spieler vorab individuelle Beträge festlegen, können sie verhindern, dass impulsive Entscheidungen zu übermäßigen Verlusten führen. Diese präventive Maßnahme fördert einen verantwortungsbewussten Umgang mit dem eigenen Budget.

Mit der Einführung des neuen deutschen Glücksspiel-Vertrages im Jahr 2021 sorgt der Gesetzgeber für entsprechende Limitierungen und schützt Spieler dadurch wesentlich besser als früher. So wurde beispielsweise die monatliche Einzahlung über alle Anbieter auf 1.000 Euro begrenzt. Die Spielenden sind gut damit beraten, ausschließlich bei Anbietern mit deutscher Lizenz zu wetten und zu spielen, um von diesen Maßnahmen auch entsprechend zu profitieren. 

Für manch einen Spieler stellt sich diese Frage jedoch nicht mehr, weil ihr Verhalten längst die Grenze der Normalität überschritten hat. Doch welche Möglichkeiten gibt es für Betroffene und deren Angehörige, darauf entsprechend zu reagieren?

Hilfe bei Spielsucht: Ein Leitfaden für Betroffene und Angehörige 

Die Auseinandersetzung mit Spielsucht erfordert einen bewussten und konsequenten Schritt zur Veränderung. Sowohl für die Betroffenen als auch für ihre Angehörigen ist es wichtig, sich der Situation zu stellen und Unterstützung zu suchen.

Der erste und entscheidende Schritt ist die Anerkennung des Problems. Sowohl für die Betroffenen als auch für ihre Angehörigen ist es von großer Bedeutung, zunächst die Spielsucht nicht zu verdrängen, sondern offen darüber zu sprechen und den Ernst der Lage zu erkennen.

Um mit einem Betroffenen über seine Glücksspielsucht ins Gespräch zu kommen, ist es ratsam, einen einfühlsamen und nicht konfrontativen Ansatz zu wählen. Eine offene Kommunikation kann den ersten Schritt zu einer positiven Veränderung darstellen.

In Deutschland stehen zahlreiche Beratungsstellen und Therapieeinrichtungen zur Verfügung, die auf Spielsucht spezialisiert sind. Hier können Betroffene und ihre Angehörigen individuelle Unterstützung und Hilfestellungen erhalten.

Telefonische Beratung gibt es unter anderem bei der kostenfreien Hotline der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung unter 0800/1 37 27 00 von Montag bis Donnerstag von 10 bis 22 Uhr und von Freitag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr. Betroffene erhalten hier gezielte Auskunft und Aufklärung über Glücksspielsucht, Informationen und Beratung zu bestehenden Hilfsangeboten vor Ort sowie konkrete Beratung bei persönlichen Problemen und schwierigen Lebenssituationen, die durch Glücksspielsucht oder problematisches Glücksspielverhalten entstanden sind.

Ebenfalls Hilfe für Betroffene und Angehörige bietet die Glücksspielhilfe. Die Experten sind hier von Montag bis Freitag in der Zeit von 10 bis 16 Uhr unter der kostenfreien Hotline 089/3608 0493 sowie per E-Mail unter [email protected] erreichbar. Außerhalb dieser Zeiten kann eine Nachricht auf der Mailbox hinterlassen werden. Ein Experte meldet sich daraufhin spätestens innerhalb eines Werktages.

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